Depression (MDD), CFS, ME, Fibromylagie und Iboga

So, dieser Post wird jetzt etwas spezieller und richtet sich vor allem an ganz bestimmte Personenkreise. Lest es trotzdem, vielleicht kennt ihr jemanden in eurem Umfeld den/die das betrifft. Diese Menschen haben alle eines gemeinsam: Die Schulmedizin kann ihnen häufig nicht helfen, unser Krankensystem schadet ihnen eher und lässt sie im Bestfall allein...

Für alle die es betrifft sind die obigen Begriffe leider so klar wie es geht. Für alle anderen:


MDD:

Major Depression Disorder (Schwere anhaltende Depression). Die gemeinste, therapieresistenteste und schwerste Form von Depression auf diesem Planeten.

CFS:

Chronic Fatigue Syndrom. Betroffene sind offiziell gesund, können aber oft nicht einmal ein Stockwerk per Treppe bewältigen ohne anschließend 1h Pause zu machen. ME (Myalgische Enzephalomyelitis) ist eine fortgeschrittene Spielart von CFS. Offiziell in unseren Breiten ebenfalls nicht existent (betriff aber allein in Deutschland über 300.000 Menschen). Die verschärfte Version von CFS geht einher mit einer sehr fiesen chronischen Entzündung des Gehirn (die leider konventionell nicht diagnostizierbar ist) die auf das Immunsystem übergreift (Neuroimmonlogische Entzündung). Betroffene enden häufig in der Psychosomatik.

Fibromyalgie:

Ein chronisches Schmerzsyndrom, dessen Ursachen und Hintergründe nach wie vor eher unklar sind, und entsprechend auch die Therapiekonzepte eher zwischen "raten" und "durchprobieren" anzusiedeln sind.


Es stehen zwar mittlerweile für alle diese Syndrome spezifische Untersuchungs- und nachhaltige Therapiemöglichkeiten zur Verfügung , die aber größtenteils nicht Bestandteil der Schulmedizinischen Therapierichtlinien sind.

Ich möchte jetzt hier nicht auf die teils äußerst komplexen, vielschichten und hochindividuellen Hintergründe und Mechanismen dieser Erkrankungen eingehen. Betroffene kennen hier entsprechende Informationsquellen. Obwohl in vielen Aspekten grundverschieden, haben all diese Erkankungen zwei wichtige Faktoren gemeinsam: Sie sind chronisch-entzündlich und sie zeichnen sich durch die anhaltende Aktivierung bestimmter Rezeptoren im Gehirn aus - den so genannten NMDA-Rezeptoren. Die Funktion dieser Rezeptoren ist hochkomplex und nach wie vor Gegenstand intensiver Forschung, da wir noch bei weitem nicht alles wissen was es hier zu wissen gibt. Vereinfacht gesagt: NMDA dienen der Potenzierung von synaptischen Verschaltungen im Gehirn. Noch einfacher: Werden Nervenbahnen (also Verschaltungen zwischen verschiedenen Nerven) wiederholt und anhaltend benutzt, so wird die Signalübertragung zwischen den einzelnen Nerven erleichtert.

Im positiven Sinn: Die Bahn wird schneller. Das ist z.B. für Lernprozesse unabdingbar. Im negativen Sinn: Die Bahn wird leichter erregbar. Ein Phänomen das bei allen drei Krankheitsgruppen sehr gut bekannt ist:





Das Gedankenkreisen bei Depression: Bestimmte Trigger reichen aus und Betroffene rattern sofort wieder altbekannte Denkschemata durch (leider v.a. die wenig produktiven).

Bei CFS/ME und Fibro reichen bereits kleinste biochemisch-physikalische Trigger (Gerüche, Geschmackssensationen, Chemikalien im Bereich 0,00001g/Kubikmillilter, Kälte, Hitze, etc.) aus um einen Domino-Effekt zu starten der sich dann selbst potenziert und massive Entzündungsschübe auslöst.

Bereits homöopathische Dosen an auslösenden Triggern (sei es physisch oder psychisch) reichen in allen beschriebenen Fällen aus, um dank NMDA die ganze Kaskade der Erkrankung zu starten und bis zum Exzess durchlaufen zu lassen. Auslöser und Reaktion stehen dann in keinem Verhältnis mehr. Man kann sich das vorstellen wie einen freiliegenden Zahnhals im Gehirn. Das permanente Warten auf den nächsten Tropfen der das Faß zum Überlaufen bringt.


Was auch bei all diesen Erkrankungen in fast allen Fällen zu finden ist: Eine Dysbalance der Neurotransmitter:


Monoamine:

Serotonin und Melatonin zu niedrig (Deswegen nehmen ja viele SSRI, Tryptophan oder 5-HTP)

Katecholamine:

Stoffwechsel massiv gestört (Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin häufig am Boden, damit deren Wirkung stark vermindert)


Lassen wir das einmal kurz auf uns wirken. Monoamine zu niedrig, Katecholamine erschöpft. Im Hintergrund die NMDA-Rezeptoren die das ganze Süppchen immer wieder hochkochen und umrühren... Ein Schelm wer dabei an Iboda denkt. Warum?

Kleiner Ausflug was Ibogain so mit unserer Hirnchemie macht:


Ibogain...

...hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Dopamin aus dem synaptischen Spalt in die Nervenzellen. Folge: Die Spiegl erhöhen sich, die Wirkung wird verlängert und damit verstärkt.


Ibogain...

...hemmt die Freisetzung von Adrenalin und Noradrenalin. Folge: Die produzierenden Neurone können sich erholen, mittelfristig steigen die Spiegel dieser Neurotransmitter wieder an.


Und (wie immer das Beste zum Schluß):


IBOGAIN WIRKT ALS ANTAGONIST AM NMDA-REZEPTOR. Das ist überhaupt das Beste an dem Ganzen. Damit unterbricht Ibogain die geschilderten Teufelskreise. Die freiliegenden Zahnhälse heilen ab. Das geschieht natürlich nicht mit einer Einnahme. Selbst eine Full-Flood würde hier die Lage nur kurzfristig verbessern. Betroffene würden im Anschlhuss an eine FF für eine gewisse Zeit (Tage bis Wochen) eine deutliche Verbesserung verspüren und dann wieder in die alten Muster und Probleme zurückfallen. Wir erinnern uns, NMDA ist wichtig für Lernprozesse, für Potenzierung und Bahnung. Man muss also die eingeschliffenen Reaktionsmuster wieder verlernen. Das ist ein klarer Fall für Mikrodosing.

Mögliche Strategie wäre:


1. Mit einer HF/FF erst mal Ruhe im Karton zu schaffen und Luft holen.


Mit der gewonnen Zeit und Energie:


2. Bekannte Trigger für einen möglichst langen Zeitraum meiden, parallel MD betreiben.


In dieser Zeit wird Ibogain die NMDA hemmen, das Gehirn bekommt die Chance die fiesen "Trigger-Domino-Effekt-Kaskaden" zu verlernen. Umgekehrt: Sollten die Trigger nicht vermeidbar sein (oder nicht ad hoc, Beispiel Ehepartner als Trigger - das lässt sich legal nicht innerhalb von ein paar Tagen abstellen), wird Ibogain zumindest die Toleranz gegenüber den Triggern erhöhen, die hässlichen Kaskaden werden nicht mehr in dem Maß ausgelöst. Das Faß verträgt jetzt ein paar Tropfen mehr bevor es überläuft.

Der Einsatz von NMDA-Antagonisten ist teilweise schon in Arbeit und die Resultate sind mehr als vielversprechend, je nach Erkrankung mit unterschiedlichen Wirkstoffen. Allerdings krankt es momentan noch an zwei Stellen: Entweder die Antagonisten sind zu schwach (z.B. Magnesium), oder ausreichend stark aber besitzen selbst unangenehme Nebenwirkungen die die Kosten-Nutzen-Rechnung in Frage stellen (z.B. Ketamin oder Dextrometorphan):


Depression: Ketamin verbesserte MDD in Fällen in denen alle anderen Antidepressive (auch in Kombination und hoher Dosis) versagt haben. Leider hat Ketamin auch seine Schattenseiten und die können gehoben schattig sein.


CFS/ME/Fibro: Dextropmetorphan erbringt deutliche Linderung, kann aber nicht über einen längeren Zeitraum eingenommen werden da süchtig machend. Eigentlich ein Hustenmittel (!) aber wegen beschriebener NW eher unbeliebt und nicht für Dauereinnahme geeigner. Ein paar weitere nicht unbedingt einladende Nebenwirkungen kommen noch dazu.

Es liegen zahlreiche Erfahrungsberichte vor, dass sich depressive Beschwerden im Anschluss an eine FF massiv gebessert haben - obwohl die Intention in den meisten Fällen eine Suchttherapie war (Sucht wird übrigens auch wesentlich durch NMDA-Schaltkreise getrage, nur mals so BTW). Personen mit CFS/ME/Fibro gehen jetzt eher selten in eine FF, weil sie physisch dazu nur schwer in der Lage sind. Sanftes MD wäre hier vermutlich der bessere Einstieg. Wer Lust und Zeit hat kannn auch mal folgende Begriffe bei PubMed eingeben, in die Fachliteratur eintauchen und sich verwöhnen lassen:


NMDA Depression / NMDA CFS / NMDA ME / NMDA Fibromyalgia / NMDA antagonist Depression CFS ME Fibromylagia usw. und so fort...


Ich bin selber nicht von CFS/ME oder Fibro betroffen, kann also hier keine Erfahrungswerte beisteuern. Ich hatte aber selbst MDD - therapieresistent und zwar soweit dass sie Hirnchemisten (Psychiater, Neurologen) nach neun Monaten der fröhlich wechselnden und kombinierten Medikation mit Antidepressiva und Neuroleptika kapituliert und Elektroschocktherapie empfohlen haben. Ich hatte selbst auch schon aufgegeben da jemals wieder rauszukommen. Bis nach meiner ersten FF (die ich wegen Alkoholabhängigkeit gemacht hatte). Nach der ging die Sonne auf, die MDD war wie weggeblasen. Nicht für immer, sie kam zurück. Zum Glück auch die FF. Je länger ich mit Ibogain gearbeitet habe (FF, HF, MD), desto mehr hat sich die MDD verkrochen und irgendwann entschieden das mein Gehirn kein heimeliger Platz mehr für sie ist. Als Mensch freut man sich da natürlich erst einmal. Als Therapeut ist das aber auch bedingt unbefriedigend. Man will ja wissen warum etwas funktioniert hat. Als HP mit Leidenschaft für Biochemie hab ich damals recherchiert welche Drähte im Gehirn sich bei Depression berühren und welche Schalter die zum surren bringen. Da die Modulation der üblichen Hirnchemiesuppe (Serotonin, Adrenalin, Noradenalin, Dopamin) nicht erfolgreich war, musste es ja noch mindestens einen weiteren Faktore geben. Et voilà: Der Schalter der zwischen all dem sitzt (und bei Elektroschocks auf Reset geht) ist: NMDA. Ich habe dann auf subversive Art und Weise Ibogain per MD unters Volk gebracht, und zwar nicht nur an Menschen mit MDD. Das CFS/ME und Fibro mit NMDA in Verbindung stehen war mir damals schon länger klar. Anderen NMDA-geschädigten also mit dem gleichen Ansatz versuchen zu helfen lag nahe. Ergebnis: Alle liebten dieses seltsame Kraut aus Gabun.


Langer Post, kurzer Sinn: Alle NMDA-geschädigten (und es scheint hier noch deutlich mehr zu geben als MDD/CFS/ME/Fibro - neuere Forschungen belegen auch NMDA-Mechanismen bei weiteren neuro-immunologischen Erkrankungen wie MS, Parkinson, ADHS, ...) könnten sich einmal ein Wochenende mit PubMed gönnen und/oder mit dem querdenkenden Therapeuten ihres Vertrauens reden. Iboga könnte ein möglicher Ansatz sein. Dabei würde ich aus meiner eigenen Erfahrung den Ansatz


FF-MD-FF-MD... usw. favorisieren.

Je nach Konstitution denkbar, ggf. besser und ebenfalls ausreichend wäre vielleicht


MD.....WE-MD.....MD....usw.

oder


MD....WE-MD....HF....FF

Das müsste der Verlauf zeigen. Es geht hier ja wie immer auch nicht darum ein Therapiekonzept oder strikte Leitlinien vorzugeben. Entscheiden muss jede(r) selbst. Aber nennen wir es einmal einen kreativen Input.


In diesem Sinne frohes Querdenken, Papers-lesen und meditieren,


LG, Doc F.

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