Erfahrungsbericht einer Fullflood mit Ibogain

Nun 4 Tagen nach dem Trip kann ich das erste mal darüber nachdenken meine Erfahrungen mit der Pflanze Iboga schriftlich festzuhalten. Vorab, alle nachfolgenden Beschreibungen und Worthülsen die ich verwende um euch das Erlebte möglichst präzise in Worte fassen, können niemals die unglaubliche Intensität der gemachten Empfindungen wiederspiegeln. Dafür gibt es einfach keine Worte…



Set und Setting:

-Seit c.a. 7 Tagen im Voraus Iboga als Microdosierung tgl. zu mir genommen (0,5 – 1 g Wurzelrinde)

- Sehr sehr viele Fragen abklärt vorweg, um mich möglichst gut vorzubereiten. An dieser Stelle möchte ich nochmal dem DocFlo danken für seine kompetenten und wissenschaftlich fundierten Ratschläge und sein außerordentliches Bemühen mir bei all meinen Fragen weiterzuhelfen.

- Ich habe es darüber hinaus geschafft mich eine Woche vorher durchweg vegan zu ernähren und mich keinen sexuellen Gelüsten hinzugeben aus Respekt vor der kommenden Erfahrung. Darüber hinaus habe ich versucht meinen Medienkonsum (Handy, Netflix etc.) runterzuschrauben, was mir aber eher schlecht als Recht gelang, da ich die Woche vorher auch noch gearbeitet habe und mitten im Alltagstrott gesteckt habe. Den Freitag vor meinem Trip (Samstag) habe ich mir freigenommen und an diesem Tag (sowie am Vormittag des Trips) viel in der Natur verweilt und meditiert. Das war meine physische und mentale Vorbereitung.

- Der Ort des Trips sollte unser Gästezimmer werden. (damit ich komplett ungestört bin… Und so hätte mein Tripsitter nur ab und zu hereinschauen müssen um zu sehen ob alles gut ist hätte ich gewusst was auf mich zu kommt, dann wäre ich nicht so leichtsinnig gewesen zu denken, ab und zu reinschauen ist schon in Ordnung :-D

- Ich habe versucht meine Erwartungshaltung im vornherein möglichst gering zu halten, was mir grds. auch gut gelungen ist (klar, man macht sich ja schon ein paar Gedanken)

- Da in mir schon immer die kleine Angst vor Psychosen besteht, habe ich mich bis jetzt aus Angst vor der Psychosengefahr bei Psychedelika noch an keine andere psychedelische Pflanze (bis auf Cannabis- ja Cannabis kann definitiv psychedelisch wirken) zuvor herangetraut.

Bei Iboga war es aber irgendwie anders… Aus unerklärlichen Gründen hatte ich ein riesiges Vertrauen in Iboga. (Intuition?)

Dosierung und Einnahme:

Ich habe mir im Vorfeld ziemlich viele Gedanken über etwaige Dosierungen, Form des Ibogas (TA, HCL, Wurzelrinde) und schrittweise Einnnahme nach und nach gemacht.

Ich entschied mich dazu 38 g zu nehmen. Trotz der Empfehlung die Dosis nach und nach einzunehmen, beschloss ich alles auf einmal zu trinken. (Einfach weg damit das passt schon…)

Aus Angst davor, dass ich das Iboga direkt wieder auszukotze, entschied ich mich im Vorfeld noch, 2 VOMEX Tabletten bereit zu legen (auf Anraten des Docs).

Jeweils zwei Stunden und eine Stunde vorher nahm ich jeweils 1 g Iboga zur Vorbereitung ein. Dies versetzte mich schon in einen tiefen meditativen Zustand. Ich war sehr gespannt hatte jedoch unglaublich respekt und schob die Einnahme immer weiter vor mir hin.

Dann machte ich mir noch einen Ingwertee mit Honig zur Beruhigung des Magens.

Nun war meine Freundin wieder da und es konnte losgehen. Ich hatte keine Ausrede mehr es vor mir hinzuschieben.

Ab in die Küche… Den Shaker hatte ich schon mit den restlichen 36 g IBOGA und etwas DMSO (für die beschleunigte Aufnahme) vorbereitet.

Aus meiner exzessiven Opioidmissbrauchphase mit Kratom war ich es schon gewöhnt, mir eklige Sachen in den Hals runterzuwürgen. Aber das war nochmal ne ganz andere LIGA (und dann auch noch so viel).

Ich exte c.a.3 tiefe Schlücke von dem Gesöff, was gefühlt mehr aus dem Pulver als aus Wasser bestand. Ich hatte reelle Mühen, das Iboga drinzubehalten (Tipp: ganz ruhig hinlegen und nicht bewegen hilft sehr). So schaffte ich es nicht 100 % aufzutrinken. Letztendlich dürfte ich nach Schätzwerten ungefähr insg. Bei 30 g gelandet sein + die 2g vorab also 32 g. Bei meinem Gewicht von 100 kg entspricht das dem unteren Bereich einer Fullflood. Vorweg: Es hat definitiv gereicht für eine Fullflood!

Mir war im Vorfeld klar, dass ich auf keinen Fall zu wenig nehmen wollte, weil ich zum 1. mir extra eine Woche Urlaub genommen hatte und es deswegen in meinen Augen verschwendet wäre, diese Möglichkeit jetzt richtig auszunutzen. Zum zweiten aber (und das ist meine eigene feste Meinung) habe ich die Vermutung das es gefährlich ist nur zum Austesten des Ibogas ca. 10 g einzunehmen. Hier besteht in meinen Augen die Gefahr, dass Iboga dich sehr sehr hart rannehmen wird, dir sehr viele Ängste zeigen wird aber die Dosis noch zu gering ist um mit dem erlebten umzugehen. Ich bin fest überzeugt, dass dem so ist. Dies wird von Dr. Christian Rätsch auch mit ,,Steckenbleiben im psychedelischen Geburtskanal‘‘ beschrieben.

Der Trip

Mit ca. 32g intus legte ich mich aufs Sofa (was wir nach dem Beginn einer türkischen Hochzeit in unserer Nachbarschaft mit lauten Gesängen und Trommeln in unser Schlafzimmer verfrachtet hatten. ) Im Nachhinein bin ich so unendlich dankbar darüber, dass ich im Vorfeld noch die Chance hatte umzudisponieren, da ich sonst sprichwörtlich durchgedreht wäre.

Ich wartete auf die Wirkung. Auf einmal bemerkte ich, dass meine Gedanken ganz andere Richtungen einschlugen. Ich hatte ein immer wieder das Gefühl mein spirituelles Erwachen würde eingeleitet werden, weil die Gedanken so extremst in eine wunderschöne spirituelle Richtung gegangen sind, wie ich es noch nie zuvor erlebt hatte. Was hier wichtig ist, dass es nicht nur Gedanken waren, sondern es war vielmehr ein Erleben.



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Nicht irgendwelche Gedanken Konstrukte unseres Verstandes . Immer wieder schoss mir in den Kopf, dass unsere ganzen Glaubenssätze und Ängste nur Illusionen sind. Wir erschaffen uns alle ausnahmslos alle Probleme selber! Nur in dem Moment hatte ich das Gefühl es zu erkennen! Nicht drüber nachzudenken sondern zu erkennen. Das euphorisierte mich zunächst sehr, weil es auch mein Vertrauen zu der Pflanze stärkte.

Die Wirkung drückte meine Augen irgendwann zu . Ich wartete gespannt auf auftauchende Bilder, aber dies passierte nicht. Hatte ich vielleicht doch zu wenig genommen?. 10 Minuten später wurde ich überrollt. Ja sprichwörtlich überrollt, wie ein Walze und/oder ein Zug der über und durch meinen Kopf fährt. Es fühlte sich auch körperlich extrem heftig an. Zum Zeitpunkt des Auftauchens der Bilder verlor ich die komplette Kontrolle über meine Gedanken. KEIN wirklich KEIN EINZIGER GEDANKE kam noch von mir. Es gab mich nicht mehr. Ich habe vorher immer über dieses Enthitätswahrnehmen von Iboga gelesen und es teilweise auch schon als Hokus Pokus abgetan, da ich grundsätzlich eigentlich gar nicht an all sowas geglaubt habe. Aber die jetzt eintreffenden Empfindungen haben mich eines Besseren belehrt. Nach jedem Bild folgten 2 Iboga induzierte Gedankengänge, die versuchten das Gesehene in die richtige Ecke des Unterbewusstseins abzulegen. Quasi wie ordnungsgemäße Ablage. Ich spürte wie Iboga mein gesamtes Gehirn defragmentierte. Es war wie ein induziertes programmiertes Computerprogramm welches ablief ohne dass ich eingreifen konnte. Bild – dann zwei Gedankengänge (die nur im Unterbewusstsein abgelaufen sind – und irgendwas in mir ins rechte und richtige Licht gerückt haben) dann wieder Bild – Gedankengang – Gedankengang Bild – Gedankengang Gedankengang. Dazu muss ich sagen, dass das nicht meine Gedanken waren sondern, die Gedanken durch Iboga kreiert wurden – ich hatte in diesem Moment nicht die Möglichkeit über irgendetwas selber nachzudenken. So ging das dann immer weiter.



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Ich vertraute dem ganzen und spürte innerlich wie Blockaden unterbewusst gelöst werden, weshalb ich sehr positiv der ganzen Sache gegenüber eingestellt war. Zu dem Zeitpunkt ging es mir noch sehr gut da ich komplett die Kontrolle abgegeben hatte und mich der Wirkung hingegeben habe.

Dann musste ich kotzen, mir war nicht wirklich schlecht, es war mehr wie ein rituelles Übergeben. Ich erinnere mich daran, wie meine Freundin mich dabei supportet hat und ich zu ihr meinte, du bist so weit weg (obwohl sie direkt neben mir stand). Als wäre ich in einer Art Hyperraum und trotz räumlicher Nähe von 1 Meter Meilenweit weg. Ich war wie abgeschottet. Achja allein auf die Toilette ging auch gar nicht, weshalb ich mir mit einem Eimer beholfen habe. Laufen auf einer Fullflood Dosis grenzt an etwas Unmöglichem. Der Schwindel ist anders als bei Alkohol aber viel viel extremer. Man kann es nicht mit ein bisschen Torkeln vergleichen, sondern vielmehr mit einer kompletten Unfähigkeit zu Koordinieren. Ich wäre wahrscheinlich direkt beim Versuch aufzustehen umgeklatscht. (Nur so als Tipp am Rande für alle die es auch mal ausprobieren wollen und darüber nachdenken es ohne Tripsitter zu machen :D)

Das ging dann einige Stunden so weiter. Irgendwann hörten die Bilder auf und ich spürte wie ich in eine andere Phase des Trips geworfen wurde.

Iboga hat mich mit meiner Angst vor einer Psychose konfrontiert. Wie kann man sich das vorstellen: Ich versuch’s mal zu beschreiben- und das wird wirklich mit Worten sehr sehr schwer.

Vor meinem inneren Auge war eine Pflanze mit Ranken und Dornen + roten Elementen. In dieser Pflanze waren weiße lebendige Wesenseinheiten die irgendwie bedrohlich auf mich wirkten. Es war als wenn mich die Pflanze mit ihren Ranken in sich hineinziehen würde. Wobei die Pflanze in diesem Moment für mich die Psychose verkörpert hat. Sprich sie wollte mich in die Psychose reinziehen. Im inneren der Pflanze war die Psychose. Dies war dann gepaart von echt paranoiden Gedanken, wobei diese paranoiden Gedanken nicht von mir kamen. Vielmehr war es so als ob das Iboga sich gedacht hat: ,,So, du hast jetzt Angst vor einer Psychose ?, haha, dann pass jetzt mal auf was jetzt passiert. Jetzt baller ich dir mal so richtig paranoide Gedanken ins Gehirn und du kriegst jetzt eine richtige Psychose.‘‘ Diese Gedanken waren so grausam und so angstbesessen und gepaart mit dieser Realität vor meinem inneren Auge mit der Pflanze die mich reinziehen wollte. Man darf sich das auch nicht vorstellen wie Bilder die man anguckt sondern wie die Realität. Ich habe nicht in einem Moment gedacht, ja alles ok, du bist ja nur am trippen. Ende vom Lied, ich habe keine Psychose und Iboga wollte mir auf diesem Wege einfach nur meine Angst zeigen, was ihm auch echt gut gelungen ist. Ich bereue es, dass ich mich die ganze Zeit nur versucht habe panisch dem ganzen zu entkommen. Ich frage mich was passiert wäre, wenn ich mich (wie am Anfang des Trips) der Sache hingegeben hätte und alles akzeptiert hätte. Hätte ich diese Angst auflösen können? Die Frage bleibt offen.

Dies ging eine ganze Weile. Dann wurde ich in die nächste Phase des Trips geworfen. Die nächste Phase war wieder komplett anders. Ich hatte das Gefühl ich würde auf dem Boden liegen (lag ich aber nicht sondern auf dem Sofa, genauso wie die ganze Zeit schon). Ich lag auf dem Boden um mich herum endlose Leere. Wie eine Wüste ohne Bäume ohne Menschen ohne Lebewesen mit dunklem Himmel. In mir war endlose Leere wie ich sie noch nie zuvor in meinem Leben gespürt habe. Es war die tiefste Depression gepaart mit kompletter Verzweiflung und Hoffnungsverlust sowie Verlust des Sinns des Lebens. Das war schrecklich.

Nach ganzen 36 h ging dieser intensive Teil des Trips zuende. Ich betone: der intensive Teil. Schwindel, Lichtblitze, optische Täuschungen und Nachwirkungen klangen erst ca 6-7 Tage danach vollständig aus.



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Ich legte mich ins Bett. Dort wurde ich von einem fürchterlichem Tinitus (Heuschrecken-Zirpsen) geplagt. Das war echt nervig. Ich dachte ich könnte schlafen und dann ginge es mir besser. HAHAHA, schlafen?? Iboga hat mich 3 Tage nicht schlafen lassen.

Ich spürte wie diese innere Leere noch immer in mir präsent war und mich überkam pure Verzweiflung. Es war als würden alle verdrängten Blockaden und Emotionen an die Oberfläche kommen. Ich spürte in mir so viel Schmerz, es tat so krass weh wie noch nie in meinem Leben. Zwei Tage lang heulte ich mir die Seele aus dem Leib weil in mir nichts als pure Leere und Verzweiflung sowie Lebenssinnverlust steckte. Und ich meine, ich heule so gut wie nie, wann heult man denn schonmal?? Auf nichts hatte ich Bock. Dinge, die mir vorher Freude bereitet haben, wie meine Musik, und mein Sport waren plötzlich bedeutungslos und vermochten nicht meinen Lebenssinn wieder herzustellen. Ich stellte mich innerlich darauf ein jetzt in eine waschechte tiefe Depression abgerutscht zu sein. Das komische dabei war, dass sich dieser Zustand trotz der schlimmen Gefühle heilend anfühlte. Es war als dürfte ich all das was ich die ganze Zeit immer verdrängt hatte fühlen und das fühlte sich auf einer merkwürdigen Art und Weise irgendwie richtig und heilend an.

Jetzt kamen zwischendurch wahnsinnig intensive Erlebnisse. Aus meinem Leider heraus bäumte sich auf einmal ein tiefes Gefühl von Urvertrauen, unendlicher Liebe in jeder Körperzelle und Frieden auf. Es war mit Abstand das schönste Gefühl, was ich jemals spüren durfte. Ich habe mich schon viel mit den Lehren von Eckard Tolle (Jetzt- Die Kraft der Gegenwart) auseinandergesetzt aber hab immer sehr kritisch darüber nachgedacht, weil ich es nicht begreifen konnte. Aber das was ich jetzt am eigenen Leib spürte, fühlte sich zu 100 % exakt genauso an wie von ihm beschrieben. Es war als würde sich mein Bewusstsein aus meinem Körper erheben und meine wahre göttliche Natur zum Vorschein kommen. Ich weiß, für jemanden der sich nicht mit Spiritualität beschäftigt klingt das wirklich freakig und unrealistisch und auch verrückt. Ich habe da vorher auch immer so drüber nachgedacht aber seit diesem Erlebnis WEIß ich dass es stimmt – und das zu 100 % ! Es war wie ein Erkennen, keine Gedanken durch meinen Verstand sondern einfach ein Erkennen: Moment mal, meine ganzen Glaubenssätze, Gedankenstrukturen und Vorstellungen von der Welt sind doch einfach nur Illusion. Und es gibt einfach noch viel viel viel mehr in uns, als was wir denken was wir sind. Etwas viel Größeres und Mächtigeres. Und das sage ich nur, weil ich es gespürt habe mit jeder Zelle. Das war wirklich wahnsinn.

Seitdem bestehen für mich keine Zweifel mehr, dass es Dinge wie ein getrenntes Bewusstsein vom Verstand, Erwachen, Erleuchtung und göttliche Macht in uns wirklich existieren. Ich bin mir sicher dass es so ist. Und ich bin mir auch sicher, dass dies die nächste Entwicklungsstufe der Menschheit ist für ein besseres Miteinander und eine friedliche Welt ohne Krieg Leiden und Ängste.

Dieses Erlebnis hatte ich in abgeschwächter Form noch 3 4 mal.

Nach ca 9 Tagen, war ich wieder der Alte. Der Alte ? Vielleicht nicht ganz, ich meditiere seitdem bis zu einer Stunde täglich, das habe ich vorher nie durchgezogen 😊

Das war mein Bericht. Als Fazit kann ich nur sagen, dass diese psychoaktive Substanz (keine Droge, Iboga ist keine Droge!) eine sehr mächtige Waffe im Kampf gegen die Angst ist und um sich mit unbewussten Blockaden zu konfrontieren sowie ein mächtiges Werkzeug auf dem Weg der Spiritualität darstellt. Ich habe gefühlt in einer Woche so viele tiefgreifende spirituelle Erlebnisse gehabt wie andere Leute nach 10 Jahren Meditation.

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